01.12.2024
Casablanca – Rabat
Nachts ankommen
Eine andere Welt
Manche Hotelzimmer existieren nur nachts
02.12.2024
Bei Meknes
An einem Riesenrad vorbei, nichts dreht sich
Plastikhaufen aus den Feldern, daneben eine Kuh
Schafe, viele Schafe
Die Wolken türmen sich
Richtung Taza wird die Landschaft trocken
Die Hügel rechts silbrig grau, oliv beige links
Erosion durchfurcht die Weiten
Die Fahrt wird wackelig, die Autobahn uneben
Ein Zug, dort drüben
Ein knallgrüner Tanklaster
Leuchtend rote Erde, blendend
Jede Brücke hat eine andere Farbe
03.12.2024
Taza
Die müden Menschen werfen ihre langen Schatten über den morgendlichen Asphalt
Die Sonne steht noch tief
Ein neuer Tag beginnt
Kinder gehen zur Schule, es wuselt allerorten
Ein Auto bleibt im Oued stecken, ein Bagger holt ihn raus
ADAC auf marokkanisch
Karge Landschaft
Kurven ohne Ende
Ein lustiges Radioquizz
Ein Pickup und ein Bagger als Wassertaxi über den Fluss
Hinten auf der Ladefläche und vorne in der Schaufel
Feldbesuch mit integriertem Miniabenteuer
Wer nicht dreckig wird, hat nichts erlebt
Wir stehen am Oued, man diskutiert über angebrochene Felsbrocken, Risse, Trockenheit, die Zukunft
Wir laufen durch trockene Bewässerungskanäle
Es geht bergauf über hunderte nicht DIN-genormte Stufen
Oben angekommen: eine Aussicht mit Wasseraufbereitungsanlage
Drinnen dann: Schuhe aus fürs große Essen
Bunte Kekse als Vorspeise, dann Lamm, gefolgt von Hühnchen
Ich bin mindestens die dritte vegetarische Besucherin der KfW, pas de Probleme, man zaubert mir frische Tomaten und Oliven aus dem Hut (danke, ladies, bekannt und unbekannt, für die kulinarische Sensibilisierungsvorabeit!)
Wer mich kennt, weiß, dass ich keine Oliven esse, S. legt ihre Kerne neben meinen Teller auf die Plastikfolie, die als Tischdecke dient, vielleicht fällt es nicht auf, dass sie sie gegessen hat, nachdem ich schon das Fleisch verschmäht habe
Lagerfeueratmosphäre, Geschichten der Zusammenarbeit aus vergangenen Zeiten werden ausgetauscht
Den Berg hinab und auf der anderen Seite wieder hinauf
On the road again, durch die marokkanischen Badlands in diesem Fleckchen Erde, im Nordosten Marokkos, westlich von Oujda, dieser Klang
Zurück Richtung Westen, durch den Alltag der Leute
Heute Morgen zu Beginn ihres Tages
Jetzt am späten Nachmittag gegen Ende
Wer weiß, was sie heute erlebt haben
Bald geht die Sonne unter, die Farben verschwinden langsam aus dem Tag
Anfang Dezember
04.12.2024
Fes
5 Uhr, die Straßen menschenleer
In den Seitenstraßen schläft das Leben noch
Flug von Fes nach Casa nach Agadir
Die Welt von oben
Menschengemacht
Millionen Jahre plus wir, ein Wimpernschlag alt, alles verändernd
Wir stauen auf
Graben ab, trotzen ab
Verbinden
Entreißen
An den unwirtschaftlichsten Stellen dieser Erde
Der Hohe Atlas vor uns
Wir rasen vom Flughafen aus zum nächste Meeting
Der Fahrer hat es anscheinend eilig
Auch nach dem Meeting rasen wir durch die Stadt
Anderes Auto, selber Fahrer
Schnell noch zwei Kappen auf dem Markt erstanden, morgen geht’s wieder ins Feld, literally, ein Bewässerungsperimeter, und 3 von 4 haben ihre Kopfbedeckung vergessen
Dezember, die Sonne knallt
On the road again
Richtung Taroudant
Bis jetzt noch: überfahrene Katzen: null
Überfahrene Fahrradfahrer auf unbeleuchteten Rädern in dunkler Kleidung nachdem die Sonne untergegangen ist: auch null
Bei jedem Überholmanöver bleibt mir das Herz fast stehen
Als wir endlich ankommen, im Hotel Dar Zeitoune, erwartet uns eine kleine Oase der Ruhe und später begleitet mich eine sehr laut zirpende Grille in den Schlaf
05.12.2024
Taroudant, Umgebung
In Marokko ist man auf den Nicht-Autobehnen je nach Tageszeit auch hauptsächlich damit beschäftigt, keine alten Männer auf klapprigen Motorrädern und Kinder auf dem Fahrrad oder zu Fuß auf dem Weg zur Schule (morgens) oder generell Menschen (ganztags) und Jugendliche – wieder auf Fahrrädern (abends), sowie zwischendurch immer man wieder den ein oder anderen Hund, zu überfahren
Links der Hohe Atlas
Um uns herum sanfte Hügel
Gleichmäßig ungleichmäßig gesprenkelt mit Bäumen
Am Straßenrand ein Schäfer mit seinen Schäfchen, alle weiß, kein schwarzes
Der Müll weist uns den Weg in die Zivilisation, der nächste Ort ist nicht weit
Die Felder voller Kürbisse, die Sonne brennt
Winter im Süden
In Agadir laufen wir dreieinhalb Kilometer am Wasser entlang und grüßen Gott, die Heimat und den König
Dann laufen wir dreieinhalb Kilometer zurück und grüßen unser Kopfkissen
Es war mal wieder intensiv
Und morgen geht es nach Hause





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